Predigt als Stand-Up

Im Rahmen meiner Ausbildung zum Ausbildungspfarrer darf oder muss ich auch eine CAS-Arbeit schreiben. Noch kann ich das genaue Thema nicht abschätzen, jedoch weiss ich, dass es um Stand-Up-Performances und das Predigen gehen soll.

Ausgangspunkt der Arbeit ist die Feststellung, dass Pfarrpersonen ganz ähnlich wie Stand-Up Comedians ihre Texte selber verfassen, redigieren und schliesslich in einem ganz bestimmten Rahmen zur ‚Aufführung‘ bringen oder eben ‚performen‘, wie das Neudeutsch heisst.

Und, so weit habe ich bereits Literatur angeschaut, die Ähnlichkeiten hören hier nicht auf, trotz aller Verschiedenheiten. Ich bin gerade dabei, die Literatur zu entdecken. Sehr dicht und extrem schwierig, aber auch sehr grundlegend das Buch ‚Stand-Up Comedy, Theology and Ethics‚ von Jacob D.Myers und Nicole Graham. Ich werde das wohl 100x lesen müssen, bis ich alles begriffen habe und das Wörterbuch ganz in der Nähe behalten wollen…

Was mir von diesem Buch bisher geblieben ist, ist der Gedanke, dass jemand, der / die nicht über sich selbst lachen kann faschistoide Tendenzen habe. Auf jeden Fall hat sich das Bild von gestrengen Pfarrpersonen, die im Bewusstsein, die Wahrheit zu verkünden und nur die Wahrheit und denen die Würde und Bedeutung dieses Auftrages jegliches Lächeln von den Lippen genommen hat, an mir haften geblieben.

Humor als transzendentes Element ist ein Gedanke, den weiter zu verfolgen sich lohnen könnte. Humor als eine Möglichkeit, eine Botschaft zu verkünden, die weit über die eigentliche Wortbedeutung hinaus geht.

Lachen: ein zweischneidiges Schwert. So wie Lachen ein Gemeinschaftsgefühl kreieren kann vor allem dann, wenn man über sich selbst lachen kann, genau so kann Lachen auch trennen, wenn das Lachen auf Kosten anderer geht.

Letztlich aber möchte ich mit diesem Blick auf das Predigen vor allem auch die Rolle thematisieren, die eine predigende Person hat und was es bedeutet, dass man eigene Texte, Gedanken und Worte zum besten gibt:

Was bedeutet es für die Vorbereitung?

Was bedeutet es für das Vortragen der Texte?

Was bedeutet es im Nachhinein? Wie geht man mit Erfolg und Misserfolg um?

Was können wir als Pfarrpersonen von den Stand-Up-Comedians lernen?

Was mir geblieben ist – das steht in einem anderen Buch – ist die penible Vorbereitung. Je lockerer eine Stands-Up-Performance daherkommt, desto präzisier ist sie vorbereitet – das ist die Aussage, auf die ich immer wieder getroffen bin. Sicher ein Aspekt, den wir Pfarrpersonen uns zu Herzen nehmen sollten.


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