
Das erste Gebot
Ein zweites Buch, das ich für die CAS-Arbeit ‘anlese’, heisst ‘Preaching Punchlines’. mit dem verheissungsvollen Untertitel: ‘The ten commandments of comedy’. Übersetzt vielleicht: ‘Pointen predigen’ – die zehn Gebote der Comedy. Das Buch ist von Susan Sparks, die Predigerin, Anwältin und Stand-Up-Komödiantin ist. Man findet sie u.A. auf youtube und natürlich auch in den sozialen Medien.*
Das erste Gebot, das sie aufführt, lautet: Du sollst dich daran erinnern, dass du kreativ bist. Es ist wohl das Gebot, das Susan Sparks zitiert, wenn Menschen (Pfarrpersonen) zu ihr kommen und behaupten, dass sie nicht lustig seien, dass sie keine Witze machen könnten, dass sie kein Talent hätten. Wir alle kennen dieses Litaneigejammere und wenden es selber ja auch oft genug an, wo es sich gut macht, Bescheidenheit zu zelebrieren, die einen dann auch noch von jeglichem Erwartungsdruck befreit. Dem gegenüber hält Sparks, und das tun eigentlich alle, die Comedy machen, fest, dass Humor lernbar und Comedy keine Frage von Talent sondern von Arbeit sei. Was mich erstaunt hat, ist nicht, dass sie das sagt, sondern dass das alle sagen, die mit Comedy zu tun haben: Witze fallen nicht vom Himmel, lustige Geschichten auch nicht. Man muss sie sich (hart) erarbeiten.
Das würde auf das Predigen übertragen bedeuten, dass gutes Predigen lernbar ist und eine Frage von Arbeit, harter Arbeit und nicht eine Frage von Talent oder gar vom Heiligen Geist…
Es wäre viel ‘gäbiger’, wenn es anders wäre und man sich bei Bedarf entschuldigend hinter Talentlosigkeit oder Sätzen wie ‘der Heilige Geist war grad nicht da’ verstecken könnte. Aber dem ist, wenn Sparks recht hat, nicht so.
Gutes Predigen scheint letztlich eine Frage von Training, von Üben, von immer wieder machen, Abläufe perfektionieren, schleifen, schmirgeln zu sein, wieder und wieder und wieder. Wenn der Heilige Geist dem menschlichen Stückwerk dann noch seinen Glanz verleiht, umso schöner. Aber wenn ich der Heilige Geist wäre, würde ich ja auch nicht jedem Mist, der von einer Kanzel kommt, einfach meinen Segen geben, weil der Mist halt eben von einer Kanzel kommt, oder der reformierte Pfarrer brav sein Lätzchen gebunden oder der Bischof einen coolen Hut aufgesetzt hat.
Natürlich predigen nicht alle Menschen. Aber die, die es tun, sollten es anständig tun. Denn: Wer kommt denn ein zweites Mal in die Kirche, wenn die Predigt mehr Qualen bereitete als der harte Kirchenbank?
Natürlich spielt die eigene Theologie, der eigene Glauben beim Predigen immer eine entscheidende Rolle. Wenn man dem Irrglauben anhängt, dass man in der Kirche nicht lachen darf, dass man in der Kirche nicht Mensch sein darf, sondern in einer schwurbeligen Feierlichkeit dahinzuschweben hat, ernst und demütig und würdevoll, mit der säuerlichen Miene der Gottgefälligkeit, dann wird man lautes Lachen in der Kirche als Blasphemie brandmarken, nicht weil Gott dadurch beleidigt worden wäre sondern weil das Lachen einen in seiner eigenen (eingebildeten?) Gottgefälligkeit hinterfragt.
Ist es nicht unsere Aufgabe als Pfarrpersonen, eine GUTE NACHRICHT zu verkünden? Einfach eine Gute Nachricht. Kein Moralpamphlet oder Anstandskodex, keine theologischen Gedankenkonstrukte, die nicht zu verstehen sind. Einfach eine gute Nachricht, ehrlich, verständlich, humor- und immer liebevoll.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott, der die Welt so farbenfroh, vielseitig, vibrierend und atemberaubend gemacht und den Menschen auf der ganzen Welt das Lachen als Gemeinsamkeit gegeben hat, eine Freud- und Spassbremse ist.
Lachen, gemeinsames Lachen ist eine transzendente Erfahrung, die überall auf der Welt verstanden wird und die Menschen miteinander verbindet. Lachen, gemeinsames Lachen, so Susan Sparks in einem Video, ist ein erster Schritt zum Weltfrieden. Also darf, ja muss Humor auch im Gottesdienst und gerade in einer Predigt, auch seinen Platz haben.
*Susan Sparks, Preaching Punchlines, 2019, Macon/Georgia

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