Wiehnachtsliecht am Hirtefüür

24. Dezember 2025
Gschicht zu re Fiir, wo am Heillig Aabe ds Friedensliecht verteilt wird.
Normalschrift: Erzählung
Fett: Auszüge aus Lukas 2 gemäss der Basis-Bibel-Übersetzung
Kursiv: trad. Weihnachtslied


Lied: Hört der Engel helle Lieder
Hört, der Engel helle Lieder
klingen das weite Feld entlang,
und die Berge hallen wider
von des Himmels Lobgesang:
Gloria in excelsis Deo.
Gloria in excelsis Deo.


Hirten, warum wird gesungen?
Sagt mir doch eures Jubels Grund!
Welch ein Sieg ward denn errungen,
den uns die Chöre machen kund?
Gloria in excelsis Deo.
Gloria in excelsis Deo.

Sie verkünden uns mit Schalle,
dass der Erlöser nun erschien,
dankbar singen sie heut alle
an diesem Fest und grüßen ihn.
Gloria in excelsis Deo.
Gloria in excelsis Deo.


E Hirt verzeut:


I ghöres no hüt nacheklinge, das Lied, die Botschaft, wo d Ängle – i gloube, es si Ängle gsi – denn i dere Nacht über de Fälder vor dr Stadt Bethlehem gsunge hei.
I weiss no genau, wie’s ds mitts i dere dunkle, chaute Nacht häll worde isch und i u miner Hirtekollege Angscht hei gha. Angscht! Angscht vor däm Ungwahnete. Angscht vor däm, wo mir nid kennt hei. Angscht vor däm, wo jitz grad passiert. Angscht – nume no Angscht. Ja, wenn i mirs e so überlege, isch Angscht ds einzige gsi, wo mir würklech kennt hei, Angscht.
‘Fürchtet Euch nicht!’ het dr Ängu gseit.
Aber wie söusch ke Angscht ha, wenn Angscht dr gröscht Teil vo dim Läbe usmacht?
Angscht vor de römische Soldate mit au irer Gwalt u Brutalität.
Angscht vor de Mönsche, wo für armi u verlumpeti Hirte wie mi nüt übrig hei u mi das ou lö la gspüre mit Verachtig u Naserümpfe, wenn si mi gseh.
Angscht, dass es Schäfli verlore geit u i mis Iikomme verliere. I verdiene jitze scho quasi nüt, aber es isch so wenigschtens weniger schlächt aus gar nüt.
Angscht vor dr Zuekunft, wo öpperem wie mir sicher nüt guets verheisst.
Angscht, überall i mim Läbe, nume Angscht.
U jitze uf einisch dä Ängu, wo eim doch nume Angscht macht, u wo de no seit: Fürchtet Euch nicht!
I hät ja ou chönne Stuune ab dere unghüüre Erfahrig. I hät mi ja ou chönne fröiie, dass i so öppis darf erläbe. I hät ja ou chönne weiss nid was… Aber nei, eifach Angscht, immer wieder Angscht, nume Angscht.
‘Hört doch’, het dr Ängu witer gseit, ‘ich bringe euch eine gute Nachricht, die dem ganzen Volk große Freude bereiten wird.

E gueti Nachricht!
Ja e gueti Nachricht wärs gsi, dass d Römer verschwunde si mit irer Gwalt u irer Brutalität. Fertig mit au de Soldate. Fertig mit au de Chriege. Fertig mit au däm Terror.
E gueti Nachricht wär’s gsi, dass dr Chünig Herodes gschtorbe isch. Dä Unmönsch! Dä Schlächter!
E gueti Nachricht wärs gsi , wenn öpper zu üs wär cho und is gseit hät: ‘Chömet ine a d Wermi. Hie gits Ässe u e Zuekunft, wo dir nümme Tag u Nacht verusse bi jedem Wätter müesst Schaf hüete wit ewäg vo de Mönsche, wit ewäg vom Läbe. Nei, mir wei öich wider bi üs ha, i dr Stadt, uf em Märit, im Tämpu!’
Das wär e gueti Nachricht.
Dass öpper wär cho und is gseit hät: ‘Es wird aues, guet.’ U de ou aues guet wär cho.
Ja, da hätte mir üs aui gfröit. Ja, da hät sich ds ganze Volk gfröit.
Aber dr Ängu seit nume:‘Denn heute ist in der Stadt Davids für euch der Retter geboren worden: Er ist Christus, der Herr.’

Was söll i i mir Angscht mit däm aafah?

E Retter? E Messias? E Christus? Mau ehrlech: Hets vo dene nid scho gnue gäh? U het nid jede vo dene Wältretter ds Blaue vom Himmu versproche u schliesslech nume no meh Eländ u Gwalt u Truur u Verzwiiflig verursacht? Vo dene bruuchts ächt nid no eine meh. Dass si doch aues Scharlatene u Verfüehrer.

‘Und dies ist das Zeichen, an dem ihr das alles erkennt: Ihr werdet ein neugeborenes Kind finden. Es ist in Windeln gewickelt und liegt in einer Futterkrippe.’

Es Chind? Aber hallo?!? Was cha de scho es Chind gäge au das Unheil u Unglück uf dere Wält usrichte? Neugebore i nere Fuetterchrippe… Ächt jitz? Das chaisch doch grad rouke.

Gäge Angscht hiuft doch nume öppis, wo no meh Angscht macht aus die Angscht, wo me scho het. Füür bekämpft me am beschte mit Füür, u Gwalt mit Chraft, u ds Eländ vo dr Wält mit Macht, aber sicher nid mit emene Nöigeborene, wo wehrlos i nere Fueterchrippe ligt. U wenn i es Chind hät, wär i froh, i hät e Fuetterchrippe, wo nis chönnt dri lege. Aber i ha nid emau das.

Bi serigne u ähnleche Gedanke het mini Angscht schliesslech gliich müesse wiiche u zwar mire Verzwiiflig u mire Wuet.

‘Was söll das?’ ha ni mi gfragt. Mau im Ärnscht, wenn’s e Gott gieb, hät dä doch scho lang müesse ufruume mit au däm Blödsinn hie uf dere Wält…

Plötzlich war der Engel umgeben vom ganzen himmlischen Heer der Engel. Die lobten Gott und riefen:
»Gottes Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe! Sein Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet!«

U de si die Ängle so schnäll wider furt gsi, wie si si cho, u mir si zrügg blibe, bim Füür uf em Fäld u hei chli weniger Angscht gha, wiu d Ängle jitze furt si gsi u aues wider normal isch gsi, oder ömu fasch.
‘Was isch jitze das gsi?’ ha ni mi gfragt. I bi geng no dürenand gsi vo au dr Angscht, au dr Verzwiiflig u au dr Wuet, wo i däm churze Gscheh i mir inne isch zum Vorschiin cho.
Ds Füür het gflackeret wie geng. Aber mir paar Hirte hei nis verwunderet aagluegt. Entweder hei mir aui dr gliich Troum gha oder de isch da grad öppis gsi, wo mer no nie erläbt hei. U mir hei, weiss Gott, scho viu erläbt i au dene Nächt uf em Fäld.
Dr Jojachim, dr eutischt u eigentlech dr dsfridnigscht vo üs Hirte, stützt sich uf si Stäcke, packt sini Latärne u steit langsam uf. D Latärne het er ir Ufregig vergässe aadszündte.
‘Was machsch?’ fragt ne dr Amos, wo geng aues wott wüsse. ‘Eh, däich ga luege öb das öppis isch mit däm Chind!’
‘Ömu nid – oder?’ meint dr Amos.
‘Mou, sicher, u wenn’s nüt isch, isch es ömu chli Abwächslig’.
‘Du chaisch jitze ömu nid ds Mitts i dr Nacht nach Bethlehem! Ds letschte mau, u denn isch Tag gsi, hei si nis dervogjagt. Was meinsch, was passiert, we si gseh, wie du ir Nacht dür d Stadt striichsch? De säge si, du sigsch e Dieb. U de chunsch no i ds Gfängnis’, probiere ni dr Jojachim ds warne. Aber dä isch stifusinniger aus e Esu vor em Bärg u meint nume: ‘Machet was dr weit, i ga jitze u sueche das Chind. I ha eh nüt me ds verliere.’
Dr Amos seit de zue mer: ‘Gang mit däm aute Tatteri mit u lueg, dass ihm nüt passiert.’
Ächt jitze…
Aber äbe, we dr Amos öppis seit, de muess i fouge, schüsch jage si mi no hie bi de Hirte furt, u de ha ni de nid e Mau me das…
Auso ha ni mi Hirtestab packt, bi ufgstande u em Jojachim hingenache. Dä schuenet fei gleitig richtig Bethlehem u es het es Momäntli duuret, bis dass i ne ha iighout gha. Schwigend si mer de zäme uf Bethlehem zue , wo fiischter u dunku langsam vor üs uftoucht isch.
I ha ke Ahnig gha, wo düre. Aber dr Jojachim, dä het weder links no rächts gluegt, u es het dr Iidruck gmacht, aus wüssi är genau wo häre, dass er müessi. ‘Weisch du wo düre?’ ha ne de gfragt. Aber dr Jojachim het zur Antwort nume öppis Unverständlechs brümmelet.
Churz bevor mir de zu de erschte Hüser si cho, hautet dr Jojachim plötzlich aa. ‘Bisch dr doch nümme so sicher?’ han ne grad wölle verspotte, wo ner si Arm gäge links usstreckt u seit: ‘Dert!’
U de a ni wieder emau gstuunet, wie guet dr Jojachim i sim Auter no gseht. Wiu i dere Richtig, wo ner zeigt het, het me d Umrisse vo mene eifache Gebäude gseh, öppis wie ne chliini Schüür, wo ganz es fiins Liecht drinne sichtbar isch gsi, nid viu häller aus d Stärne am Himmu.
Ziusträbig isch dr Jojachim uf das Ghütt zueglüffe u bi nim hinger nache gstoglet.
‘Bisch sicher, dass mer hie richtig si?’ frage ni dr Jojachim, wo ni plötzlech d Schätte vo drüne Kamel gseh, wo da vor dere Schür am Bode hocke.
Kamel, dass si wärtvolli Tier¨ Weisch wie viu Schäfli muesch iituusche gäge sones edus Tier?
U wo mer si necher cho, hei mer ds fiine Glöggele vom Zuumzüüg vo dene Kamel ghört u hie u da hets goudig u siubrig gschimmeret. I ha sofort gmerkt, das das Kamel vo ganz, ganz riiche Lüt si gsi. Drum ha ni dr Jojachim am Ermu packt: Chum, mir göh wider, mir chöi doch nid eifach zu dene riiche Lüt! Die jage üs soweiso grad wider furt…
Aber dr Jojachim schüttlet mini hand ab u seit nume: ‘Chuum’. U de dräiht er dr Chopf, luegt mi aa u seit: ‘Weisch, we das stimmt, wo dr Ängu oder was ou immer das isch gsi, wo üs hüt die Botschaft bracht het, we dfas stimmt, de spiuts ke Rolle’. U scho geit er witer, uf die haub offeni Tür vo dere Schüür zue und i hindernache.
Dr Jojachim tuet d Türe langsam uf u geit ine. I luege nim über d Schultere u gseh im fiine Liecht vo nere Latärne e Esu und es Rindvieh.
U wo ni hinder em Jojachim i d Schüür ine ga, gseh ni drei fürnähm aagleiti Manne am Bode sitze, i entdecke e Frou, wo uf eme behäufsmässige Stroh-Bett ligt, und e Maa, wo näbere Fuetterchrippe ufeme Strohballe sitzt. U i der Chrippe inne ligt i Windle gwicklet es chliises Chind. Es isch aues genau e so gsi, wie’s dr Ängu – oder was es immer isch gsi – gseit het gha.
Dr Jojachim het ganz schüch dä Maa u d Frou grüesst und isch de, wie wenns ds Normalschte uf dr Wält wär, näbe die drei fürnähme Herre a Bode ghocket. U scho gli het me i däm fiine Liecht dr Underschied zwüsche Herre u Hirte nümme gseh. Dr Jojachim het näb sich uf e Bode töpperlet zum mir zeige, i söll ou cho hocke. U de bini häre ghöcklet.
Es isch still gsi i dere chliine Schüür. Niemer het es Wort gseit. Mängisch het me dr Chlii chli ghöre biischte, aber är het grad gschlafe. Dr Esu u dr Ochs het me hie u da ghört rangge u mängsich het e Person chli e töife Schnuuf gnoh. U schüsch: Rueh, Stilli, Fride.
Vor em Chrippli am Bode het’s drü wärtvolli Gschänk gha, jedes einzelne es Vermöge wärt! U i bi ohni irgend öppis cho. Normalerwiis hät i mi geniert, sogar i nere Schüür. Aber hie, grad i däm Momänt, so hets mi tüecht, het es ke Rolle gspiut, wär i bi, wohär das i chume, wohäre das i no ga, öb arm oder riich, eifach oder fürnähm, es het nüt vo au däm irgend e Bedüttig gha. I ha eifach chönne Da-Si. D Angscht, d Wuet d Verzwiiflig… Es isch, wie wenn i se dusse vor dr Tür vo dere Schüür hät wäggheit gha.
I weiss nümm, wie lang mir da ghöcklet si im Stille, wo die drei fürnähme Manne i irer Sprach mitenand fö afa rede. Sie hei e Sprach gredt, wo ni nid verstande ha. Aber auem aa hei si wölle ufbräche u witerzieh.
Ou dr Jojachim meint de plötzlich zue mer, es sig Zyt zum Zrüggah. Aber zersch müess er no öppis mache. Dr Jojachim isch zur Latärne zueche, wo im Stall brönnt het u het vo däm Liecht sini eigeti Latärne, wo ner het mitgno gha, aazündet. De hei mir nis verabschidet u de si mer, dr Jojachim u ig, zäme langsam wider zum Stall us.
Dusse hei die drei Reisende no iri Kamel parat gmacht. Wo si dr Joachim mit sire jitze brönnende Latärne gseh zur Schüür usecho, winke si ne zu sich. Es macht bau dr Iidruck, aus wette si mit üs cho, ömu e Momänt lang. U so mache mir üs ds füfte höch uf e Wäg.
Dr Jojachim mit dr Latärne vorne wäg, i hindedri u die drei Manne schwigend üs nache.
Wo mir de bim Amos a üsem Lager aachöme, isch er iigschlafe u ds Füür isch erlosche.
Dr Jojachim het es Schittli zwöi nachegleit u de das Füür mit dr Flamme us sire Latärne wider aazündet. Dr Amos isch mittlerwile erwachet u het sich verwunderet d Ouge gribe. Dr Jojachim aber, wo schüsch nid viu seit, het de äuä sini lengschti Red je aagfange, wo ner de drei Manne aber ou em Amos u mir seit
‘Immer söll es Liecht vo dere Flamme lüüchte u is dra erinnere, dass Fride müglech isch, immer u überall ou i dr Troschtlosigkeit vo mene Stall. U dir, Reisendi’, u derbi het dr Jojachim die drei fürnähme Manna aagluegt, ’näht die Flamme ou mit öich, traget se über die ganzi Wält, dass me überall u immer wieder dür aui Zyt dervo verzellt, dass me überall, überall cha Fride finde.
So hei die drei Manne, bevor si ggange si, am Füür iri Latärne aazündet u mitgnoh. U ou mir Hirte hei sider denn immer gluegt, dass geng e Flamme vo däm Liecht witerbrönnt, bis hüt.
Zu de ZuehöhrerInne:
‘Chömet, mir wei mit dere Flamme es Füür aazündte, dass ou dir öii Liechter de chöit entzündte am Liecht wo si Ursprung bi däm Nöigeborene im Stall het. U de traget das Liecht hei zu öich und nähts mit, überall, wo dir häre göht, dass dir dert vom Fride chöit verzelle. Vo däm Fride, wo das Chind, wo denn i däm Stall gebore isch, wie niemer anders dervo verzellt het. Vo däm Fride, wo i dr Liebi vo Gott zu üs Mönsche begründet isch, dere Liebi, wo das Liecht isch, wo immer und überall ds finde isch u nie, nie wird höre schiine.

Aufbruch zum Feuer


Kommentare

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von handglismet

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen