Das dritte Gebot

Ich denke, dieses dritte Gebot der Comedy gemäss Susan Sparks verstehen wir alle. Komplizierte und überflüssige Erklärungen, Details, die nichts zum Thema beitragen und im schlimmsten Fall von einer Rednerin / einem Redner vorgetragen, die / der sich selber gerne Reden hört – und die Vorstellung wird zur Qual.
Was für Witze gilt, hat genauso für Predigten seine Berechtigung. Ausufernde Erklärungen, im besten Fall gespickt mit Fremdwörtern, die die Belesenheit der Vortragenden unterstreichen soll und die gefühlte Verantwortung, so lange reden zu müssen, bis die Welt gerettet ist, vertreiben jede noch so geneigte Zuhörerschaft.
Sparks weist auf Matthäus 6,7 hin, wo Jesus seinen Zuhörerinnen und Zuhörern sagt, dass sie nicht wie die ‘Heiden’ leer Phrasen dreschen sollen, die meinen, je mehr Worte sie machen, desto eher würden sie erhört.
Untersuchungen zeigen, dass Zuhörerinnen und Zuhörer innerhalb von 10 Sekunden entscheiden, ob sie weiter zuhören wollen oder nicht. 10 Sekunden, in denen sie den Köder schlucken müssen oder aber eben ‘abhängen’. Dabei geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch das Auftreten, das Benehmen. ‘Will oder mag ich dieser Person zuhören?’ ist eine Frage, die sich auch Pfarrpersonen stellt. Dabei spielt alles eine Rolle. ‘Wie gebe ich mich? Trage ich einen Talar? Trage ich keinen Talar? Weshalb trage ich einen Talar oder keinen Talar? Wie habe ich auf die Gottesdienstbesucherinnen und – besucher gewirkt in den liturgischen Teilen des Gottesdienstes? Bei der Begrüssung am Kircheneingang?‘
Es ist kein einfacher Balanceakt, den man beim Predigen vollführen muss, zwischen dem Wunsch, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen und dem bewahren von Authentizität andererseits.
Aber auch Zuhöhrer will ich in meiner Situation ernst genommen werden, erwarte, dass der / die Predigende auf mich und meine Situation eingeht. Andererseits will ich keinem Schleimer zuhören müssen, der sich bei mir anbiedert.
Und schliesslichsollten wir uns als Pfarrpersonen bewusst sein, dass wir mit dem globalen Markt konkurrieren und man recht einfach auch per Internet einen gelungen Gottesdienst, eine gelungene Predigt mitverfolgen kann. Weshalb also sollten die Leute in den Gottesdienst kommen, in dem ich predige?
Eine Predigt muss, wenn man Stand-Up Masstäbe an sie legt, schnell zur Sache kommen, keine unnötigen Worte verlieren und, wenn man möchte, dass sie den Zuhörenden in Erinnerung bleibt, so Sparks, in einem einzigen Tweet (140 Zeichen) zusammengefasst werden können. Die Spannung muss während der ganzen Zeit aufrecht erhalten werden. Das heisst, man muss immer wieder Momente schaffen, dass der Fisch sich immer wieder am Haken festbeissen will..
Ich denke, Sparks hat recht: Zu viele Worte verwässern die eigentliche Botschaft nur, lenken ab und eine Predigt wird im schlechtesten Fall öde und langweilig.
Die Frage: Was gehört zum Thema meiner Predigt, und was ist letztlich ein oft eitles ‘nice to have’, das vielleicht sogar genial ist, aber dem eigentlichen Thema der Predigt nichts bringt, muss man eigentlich an jedes einzelne Wort einer Predigt stellen. Und was zu viel ist, muss einfach weg.
So lange die Stand-Up-Performance dauert, so lange kann sich ein Stand-Up-Performer keinen Hänger leisten, er muss liefern. Ständig. In seinem Fall ‘Lacher’ und Humor, und dies im 30-Sekunden-Takt.
Es ist sicher spannend, eine Predigt unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten, sie zum Beispiel in kleine Abschnitte zu unterteilen (5-8 Zeilen) und sich zu fragen: Was genau ist spannend an diesen paar Zeilen? Braucht es sie wirklich? Und wenn ja, kann ich den Inhalt so erzählen, dass er spannend ist? Oder ihn gar mit einer Prise Humor würzen?
Ich muss auch nicht jede gute Idee, die mir in den Sinn kommt, gleich in der nächsten Predigt verwenden. Man kann durchaus gute Ideen für eine weitere Predigt aufbewahren – eine kleine Notiz kann da hilfreich sein.
Ähnlich wie Erklärungen in Witzen einfach völlig daneben sind, so sind es oft auch Erklärungen, die ein Predigt killen. Erklärungen sind öde, dröge und überflüssig. Und wenn ich einmal eine Erklärung in eine Predigt einbauen muss, dann kann man sie mit etwas Geschick auch erzählen, d.h. daraus eine Geschichte machen, in der die Erklärung, ohne sie als solche zu benennen, eingebettet wird. Ist nicht immer einfach, oft mit grossem Aufwand verbunden, aber es lohnt sich. Gelingt es, diese Erzählung noch mit etwas Humor zu würzen, dann wird die Predigt als positives Erlebnis in Erinnerung bleiben, noch dann, wenn man nur 10% vom Inhalt sich hat merken können.
So kann ich mir an einer Stand-Up-Performance zwar nicht jeden Witz des Abends merken und doch kann ich begeistert sein und von einem guten, gelungenen Abend sprechen, der Lust auf mehr macht.
Schön, wenn es gelingt, dass Gottesdienstbesucherinnen und – besucher nach dem Gottesdienst mit einem ähnlichen Gefühl nach Hause gehen.

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